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Skiria - Am Berg der Drachen
Auszug aus bislang nicht veröffentlichtem Fantasy-Roman
Das Wunder
Auszug aus dem Buch "Zwistien und Zankistan"

Leseprobe "Skiria - Am Berg der Drachen"

Auszug aus bislang nicht veröffentlichtem Fantasy-Roman

Im Land Tragonien kämpfen ein Mädchen und ein Drache gegen die menschenfeindlichen Anweisungen der Drachenkönigin und decken dabei eine magische Verschwörung auf.

Die im Grunde friedliebenden Drachen des Landes Tragonien werden von ihrer Königin gezwungen, Menschen zu entführen. Dagegen begehrt der junge Drache Ramin auf. Zusammen mit dem Mädchen Skiria begibt er sich auf die abenteuerliche Reise zum Drachenberg, dem Sitz der Königin. Während Skiria auf dem Weg dorthin einer Bande von Drachentötern in die Hände fällt, erhält Ramin überraschend Unterstützung des mächtigen Magiers Hazaar, der als einziger zu ahnen scheint, dass am Drachenberg eine magische Verschwörung stattfindet...


Prolog

Nathael spürte einen Windstoß im Rücken, der sein Wams aufblähte, als zöge ein Sturm über das Weizenfeld herauf. Bis zu diesem Moment war es ein wolkenloser, windstiller Frühjahrstag gewesen. Doch nun war das Vogelgezwitscher, das die Feldarbeiten den ganzen Tag untermalt hatte, jäh verstummt.
Irritiert von dem Luftzug und der plötzlichen Stille ließ Nathael die Hacke sinken und sah hinüber zu seinen beiden Kindern, die ein wenig von ihm entfernt am Rande des Ackers standen. Sein Sohn Janus schrie ihm etwas zu, doch Nathael konnte ihn nicht verstehen. Janus' Schwester Skiria schlug die Hände vor den Mund, als sei sie Zeuge eines schrecklichen Vorfalles. Mit ausgestrecktem Arm deutete Janus schräg nach oben. Der Wind ließ Nathaels Hemd flattern.

Langsam drehte sich Nathael um und tastete dabei unwillkürlich nach dem Messer, das stets in seinem Hosenbund steckte. Er bereitete sich auf einen Kampf vor. Wer immer ihn bedrohte, sollte kein leichtes Spiel haben. In den vielen Jahren seines Lebens hatte er mehr als einmal bewiesen, dass ihn keiner so leicht besiegen konnte. Diebe und Raufbolde hatte Nathael zur Genüge in die Flucht geschlagen. Doch hinter ihm stand kein Gauner, der nach seinem Hab und Gut gierte und auch kein streitlustiger Trunkenbold. Ein Schatten fiel auf ihn, als verdunkele eine Wolke die Sonne. Er blickte nach oben. Was Nathael dort sah, ließ ihn für einen Moment an seinem eigenen Verstand zweifeln.

Er hatte von diesen Geschöpfen gehört, die Geschichten darüber jedoch stets für baren Unfug gehalten. Unsinniges Geschwätz besoffener Männer, die sich wichtig machen wollten. Das Ungeheuer stand mehrere Armlängen von ihm entfernt in der Luft und wartete scheinbar einen günstigen Augenblick ab, um von dort herabzustoßen. Sein Flügelschwingen fachte ihm kühle Luft zu. Nathael fröstelte. Für einen Moment empfand er Faszination. Nie zuvor war ihm etwas derart Schreckliches begegnet, das gleichzeitig eine so vollkommene Schönheit ausstrahlte. Die Sonnenstrahlen ließen die grauen Schuppen des Drachen grünlich schillern.
‚Wie Smaragd', dachte Nathael und wunderte sich, welche Gedanken ihm durch den Kopf schossen, während er sich in Lebensgefahr befand. Gegen die monströsen Klauen des Ungetüms wirkte Nathaels Messer beinahe lächerlich. Aus scheinbar weiter Ferne drangen die Rufe der Kinder an sein Ohr.

Als der Drache herabstieß, rannte Janus los, um seinem Vater beizustehen. Nathael warf sich in eine Ackerfurche, um den Krallen zu entgehen, die sich wie Krummdolche aus den Pranken des Ungetüms bogen, doch sie erwischten ihn an der Schulter. Wie mit einem unsichtbaren Pinsel gemalt, breiteten sich auf Nathaels Gewand rote Spuren aus. Schreiend zuckte er in den Fängen des Ungeheuers, das Flügel schlagend darum kämpfte, mit seiner Beute in die Luft zu gelangen.
Während Skiria wie erstarrt Nathaels Martyrium verfolgte, erreichte Janus seinen Vater zu spät. In der Hoffnung, der Drache stiege so langsam auf, dass er Nathaels Beine noch greifen und ihn befreien könne, streckte der Sohn verzweifelt seine Arme aus. Doch es war zu spät; sie verfehlten ihr Ziel um Längen.

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Leseprobe "Das Wunder"

aus dem Buch "Zwistien und Zankistan"

Otmars Mutter ahnte Schlimmes, als ihr Sohn einen Brief von der Schule mit nach Hause brachte. Otmar saß gerade mit seinem kleinen Bruder Melvin und dem Vater beim Essen am Küchentisch, als die Mutter den Brief öffnete und ihn mit blassem Gesicht laut vorlas:


Die Mutter ließ den Brief sinken, schloss ihre Augen und sog tief die Luft ein, als sei dies ihr letzter Atemzug. Otmar sah betreten auf seinen Teller herab. „Ausgerechnet Biologie! Und dann auch noch ein Referat. Der Junge spricht doch so ungern vor der ganzen Klasse!“, jammerte seine Mutter und sah dabei Hilfe suchend den Vater an, so als befände sich Otmar irgendwo anders und säße nicht direkt neben ihr. Kopfschüttelnd legte sie das Schreiben beiseite und verkündete seufzend: „Da hilft eigentlich nur noch ein Wunder.“

Später, als Melvin im Bett lag, musste er ständig an seinen Bruder denken. Ob Otmar es schaffen würde? Referate waren wirklich nicht gerade seine Stärke. Erst nach einer ganzen Weile schlief Melvin endlich ein.

Mitten in der Nacht wachte er jedoch wieder auf. Durch einen Spalt im Vorhang warf das Mondlicht einen hellen Streifen in sein Zimmer, der Teile seiner Bettdecke und die Schubladen seines Kleiderschrankes bleich beleuchtete.

Im Schrank rumpelte es plötzlich heftig, als sei darin etwas umgefallen. Ruckartig setzte sich Melvin im Bett auf. Einen Augenblick lang war es still, und Melvin hätte sich fast schon wieder hingelegt, als das merkwürdige Geräusch erneut erklang. Den Schrank durchfuhr dabei ein heftiges Zittern. Auch Melvin zitterte mittlerweile, denn die Situation kam ihm äußerst gespenstisch vor.

Er stieg aus seinem Bett und huschte zum Lichtschalter, in der Hoffnung, dass der Spuk vorüber sei, wenn er Licht machte. Entsetzt stellte er jedoch fest, dass der Schrank nun wackelte wie bei einem Erdbeben, und aus seinem Inneren ein sonderbares Fauchen drang. „Mist!“, tönte es plötzlich aus der Schublade.

„Wer ist da?“, hauchte Melvin ängstlich.

„Verflixt!“, antwortete die Stimme aus dem Schrank. „Das Ding klemmt!“ Melvin überlegte. Was sollte er tun? Die Eltern aufwecken? Seinen Bruder rufen, oder besser gleich die Polizei? „So hilf mir doch!“, jammerte das Ding im Schrank. „Ich komm’ hier nicht mehr raus!“ Die Eltern würden ihm nicht glauben und wahrscheinlich genervt sein. Ebenso würde sein Bruder reagieren und die Polizisten erst recht. Er musste wohl oder übel selbst zur Tat greifen. Beherzt fasste er an den Griff der Schublade und zog kräftig daran. Zuerst klemmte die Lade, aber dann, mit einem Ruck, sprang sie auf. Melvin hielt sich die Hand vor Augen, denn ein gleißend heller Schein drang daraus hervor. Als er sich an die Helligkeit gewöhnt hatte, wagte er zu blinzeln und sah eine sehr sehr kleine Frau mit goldenem Haar, die vor ihm im Zimmer schwebte. „Wer bist du?“, fragte er ängstlich.

„Na, eine Fee. Was hast du denn gedacht? Ein Werwolf?“, entgegnete sie gereizt und fügte verärgert hinzu: „Die verdammte Schublade hat geklemmt, und ich konnte nicht mehr raus.“ Es erstaunte Melvin, dass Feen fluchen konnten, doch noch mehr erstaunte ihn, dass sich ein solches Wesen ausgerechnet in seinen Schrank verirrt hatte. „Was machst du in meinem Schrank?“

Die Fee verdrehte die Augen. „Was Feen eben so machen. Muss man dir denn alles erklären?“ Hilflos zuckte Melvin mit den Schultern.

„Na schön. In Vollmondnächten sehen wir in den Schränken von euch Kindern nach dem Rechten und räumen in den unordentlichsten etwas auf. Deiner hier scheint aber ganz in Ordnung zu sein, bis auf diese blöde Schublade. Du hast übrigens einen Wunsch frei, weil du mich da rausgeholt hast. Mach aber schnell, ich muss gleich wieder hier weg.“

Melvin überlegte. Wünsche hatte er so viele, doch jetzt wollte ihm auf die Schnelle kein einziger davon einfallen. „Na los!“, drängte die Fee. „Ich gebe dir noch eine halbe Minute.“ Da dachte Melvin an Otmars gefährdete Versetzung und die Worte seiner Mutter. Mit fester Stimme wünschte er sich: „Ein Wunder. Ich wünsche mir ein Wunder.“ Die Fee guckte ein wenig gelangweilt. „Ein Wunder, alles klar. Sollst du haben. Aber jetzt muss ich. Adieu!“ Damit streckte sie ihren kleinen Körper, so dass er durch den Spalt im gekippten Fenster passte und schwebte in die Nacht hinaus.

Am nächsten Morgen glaubte Melvin, er hätte alles nur geträumt und erzählte deshalb erst einmal niemandem von der sonderbaren Begegnung. Wie gewöhnlich ging er zur Schule, als sei überhaupt nichts geschehen.

Als Melvin nach Hause kam, dachte er schon gar nicht mehr an den nächtlichen Vorfall. Er aß zu Mittag und ging schließlich in sein Zimmer, um Hausaufgaben zu machen. Gedankenverloren stieß er die Tür auf, trat ein und stellte die Schultasche auf seinen Schreibtisch. Jemand räusperte sich. Erschrocken fuhr Melvin herum und erwartete fast, dass die Fee wieder zurückgekehrt wäre. Doch stattdessen hockte ein weißer Tintenfisch hinter seinem Bett, der in etwa Melvins Größe hatte. „Hallihallo, junger Mann!“, begrüßte ihn der Tintenfisch erfreut und winkte fröhlich mit seinen Fangarmen, während Melvin der Mund offen stehen blieb. „W-w-wer bist du denn?“, stotterte er sichtlich irritiert. „Ich bin das Wunder“, fiepte der Tintenfisch vergnügt und verwandelte sich innerhalb von einer Sekunde in ein viel zu großes Seepferd. „Du wolltest doch ein Wunder, nicht wahr?“ Melvin nickte vorsichtig. „Schon, aber ...“

„Was aber?“ Das Seepferd schwebte taumelnd heran.

„Ich dachte eher an das Wunder, das mein Bruder braucht, um eine Eins zu kriegen“, erklärte Melvin schüchtern. Mutig fügte er hinzu: „Ich glaube, du hast dich da geirrt. Jemand muss sich so was wie dich gewünscht haben und jetzt bist du aus Versehen bei mir gelandet.“

„Papperlapapp!“, widersprach das Wunder. „Ich bin hier genau richtig!“ Jetzt verstand Melvin überhaupt nichts mehr. Dieses merkwürdige Geschöpf konnte Otmar gewiss nicht helfen. Während Melvin überlegte, wie er es schnell wieder loswerden könnte, nahm das Wunder die Gestalt eines Seehundes an, der vergnügt über seinen Teppich robbte und dabei große nasse Flecken hinterließ.

„Warum verwandelst du dich dauernd?“, wollte Melvin wissen.

„Ach, ist das nicht herrlich!“, entgegnete das Wunder begeistert. „Dieses Jahr sind Meerestiere groß in Mode. Schick, nicht wahr?“ Im nächsten Moment schlängelte es sich als Aal um Melvins Füße herum.

„Melvin!“, rief der Vater aus dem Wohnzimmer.

„Du musst hier verschwinden, bevor meine Eltern dich entdecken!“ Melvin streckte den Kopf aus seiner Zimmertür. „Ich komme gleich!“ Rasch schlüpfte er hinaus, schloss die Tür hinter sich und betete, dass das merkwürdige Wesen in seinem Zimmer blieb. „Wir gehen einkaufen“, teilte ihm sein Vater mit. „In etwa einer Stunde sind wir wieder zurück.“ Melvin nickte dankbar. Das kam ihm sehr gelegen.

Erleichtert verfolgte er, wie seine Eltern das Haus verließen. Dann stürmte er in Otmars Zimmer. „Ich muss dir unbedingt etwas zeigen!“, sprudelte Melvin hervor. „Was denn?“, entgegnete Otmar, der in einem Lehrbuch blätterte, um sein Referat auszuarbeiten, gelangweilt. „Ich habe eigentlich gar keine Zeit.“

„Los, komm schon!“, drängte Melvin. „Da ist etwas ganz Merkwürdiges bei mir im Zimmer. Es verwandelt sich dauernd in verschiedene Tiere.“

„Ach was!“ Otmars spöttische Miene verriet, dass er seinem Bruder nicht glaubte. Dennoch war er neugierig geworden und stand rasch auf, um zu sehen, was Melvin ihm zeigen wollte.

Als beide auf den Flur hinaus traten, entfuhr Otmar ein schriller Schrei. Ein etwa zwei Meter langer Haifisch schwebte an ihnen vorbei, als befänden sie sich nicht in der Diele, sondern in einem riesigen Aquarium. „Siehst du“, rief Melvin. „Das meinte ich!“

Es klingelte an der Haustür. Erschrocken sahen sich die Geschwister an. „Wir machen einfach nicht auf!“, schlug Otmar leise vor. Doch das Klingeln verstummte nicht. Schließlich klopfte jemand kräftig gegen die Tür und eine Frauenstimme schrie: „Ich bin’s, Tante Edelgard. Macht auf! Ich weiß, dass ihr zu Hause seid. Ich habe eben eure Eltern getroffen.“

„Was sollen wir jetzt machen?“, flüsterte Melvin, doch bevor die beiden darüber beratschlagen konnten, ruckelte es im Schloss der Haustür. „So was Dummes!“, wisperte Otmar. „Unsere Eltern haben ihr einmal einen Reserveschlüssel gegeben.“ Die Tante trat mit Schwung ein und begrüßte die beiden Jungen mit strafenden Blicken. „Warum macht ihr mir denn nicht auf?“

„Wir, wir hatten die Musik laut und hätten beinahe das Klingeln überhört“, rettete Otmar die Situation, während sich Melvin verblüfft nach dem Wunder umsah, es aber nirgends entdeckte. „Ihr solltet lieber Hausaufgaben machen, als euch dieses neumodische Zeugs anzuhören!“, empfahl sie und trat forsch auf ihre Neffen zu, um ihnen einen feuchten Schmatz auf die Wangen zu drücken. „Was habt ihr denn hier Schönes?“ Voller Staunen wandte sie sich der Kommode zu und deutete auf etwas, das die Geschwister noch nie zuvor dort gesehen hatten. Es war eine riesige weiße Muschel mit gewelltem Rand. „Ein wahres Prachtstück!“, befand die Tante und begutachtete sie ausgiebig, bevor sie das Interesse an dem vermeintlichen Dekorationsstück wieder verlor. „Was macht die Schule?“, fragte Tante Edelgard streng und ging dabei auf Otmars Zimmer zu. Hinter ihrem Rücken hob sich der Deckel der Muschel leicht an. Melvin glaubte zu erkennen, dass aus ihrem Inneren ein Augenpaar herausspähte.

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